Theaterprojekt

Was ist ein "richtiger" Mann?

(ber.) Das boatpeople project gastiert am 05. März 2026 mit dem Stück „spiel:mann“ im OHG

Statt bestuhlter Reihen und einem geschlossenen Vorhang erwartet die 11er und 13er-Kurse ein ganz anderer Theaterraum: Vor der Bühne ist ein Fußballteppich ausgerollt, dicht rundherum stehen Bänke aus Umkleidekabinen und Hocker und ein hochkant montierter Flachbildschirm lässt sofort an ein überdimensionales Handy denken.

Fußball hat zu Jussis Leben schon immer dazu gehört, zuerst in seiner Dorfmannschaft und nun im Nachswuchsleistungszentrum. Viermal pro Woche fährt ihn sein Vater dorthin. "Ihr reißt euch jetzt zusammen, Männer!!", heißt es dort vom Trainer, wenn die jungen Fußballer, die eigentlich erst an der Schwelle zum Mannsein stehen, durch ihr Training getrieben werden. Der Ton ist rau, die Auswahl hart, immer wieder werden Jungen nach Hause geschickt oder – wenn sie dem Trainer widersprechen, so wir Jussi – für Spiele gesperrt. Da kann es mit dem Traum vom Fußballprofi schnell vorbei sein.

"Papa, was ist denn eigentlich ein richtiger Mann?", fragt Jussi und erhält darauf aber keine zufrieden stellende Antwort. Deshalb recherchiert er im Netz, wo Männlichkeit mit Muskelaufbau und der Überordnung über die Frauen gleichgesetzt wird. Mit dem richtigen Mindset kannst du alles schaffen, lautet die Botschaft der Influencer und Jussi legt los: Er fängt an zu pumpen, ergänzt sein tägliches Pensum durch zusätzliche Einheiten und zieht im Internat des Leistungszentrums ein.

Dass er sich immer weiter von seinem besten Freund Olli entfernt und auch dessen Freundin ihn für sexistisch hält, fällt ihm erst nach einer Weile auf, als die beiden telefonieren.  Olli macht mittlerweile rhythmische Sportgymnastik und hat ein Praktikum im Nagelstudio absolviert, was Jussi sehr befremdet. "Mach du doch mal was Normales", schlägt er dem Freund vor. "Werd kein Arsch", bittet ihn Olli daraufhin, weil er merkt, wie Jussi sich entwickelt und lässt diesen wieder neu orientierungslos zurück.

Was ist Sexismus und was ist schon normal?

Mit dieser Frage endet das Stück und beginnt das Gespräch von Schauspieler Paul Lonnemann und Regisseur Reimar de la Chevallerie mit den Zuschauenden, die schon vorher in das Stück einbezogen wurden. Eine Wette mit Cola und Brausepulver, ein schnelles Brainstorming zum Thema Männlichkeit und dass der Schauspieler sich zwischen die Zuschauenden auf die Umkleidebank quetscht, hatten die Distanz schon stark verringert, die sonst zwischen Bühne und Zuschauerraum besteht und es bestand die Möglichkeit sich über die verhandelten Themen noch einmal auszutauschen und auch etwas über die Entstehungsgeschichte der Ein-Mann-Performance zu erfahren.

spiel:mann wurde im Auftrag des BVB Dortmund entwickelt, von Christoph Weiß geschrieben und von verschiedenen Kultur- und Sporteinrichtungen gefördert. Oft wird es auch in Umkleidekabinen von Jugendfußballmannschaften oder nach dem Sportunterricht gespielt. Nach dem OHG ist der nächste Spielort die Jugendvollzugsanstalt Göttingen.

Zurück