Alles will erzählt werden - Welten entstehen beim Schreiben

Schreiben, überarbeiten, weiterschreiben, vortragen, zuhören, Rückmeldung geben, ein Buch binden, das alles und noch mehr verbirgt sich hinter dem Weltenschreiber-Projekt, an dem zurzeit eine Klasse des OHG teilnimmt.

Das OHG wurde im Sommer 2018 neben 4 anderen Göttinger Schulen für die Teilnahme am Weltenschreiber-Projekt ausgewählt. Die Klasse 9b, bzw. dann 10b konnte mit der Münchener Autorin Lena Gorelik zusammen diverse Formen des Literarischen Schreibens von epischen Texten an mehreren Projekttagen kennenlernen und im Deutschunterricht weiter ausbauen.

Die Schülerinnen und Schüler schreiben Geschichten und Episodenromane ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen, die sie verdichten, oder angeregt durch kreative Schreibanlässe. Dabei gilt es bisweilen Schreibhemmungen zu überwinden oder eben auch die überbordende Fantasie in eine Form zu bringen, dass sie zu einem Lese- oder Hörerlebnis für andere wird.

Das Projekt wird in Göttingen durchgeführt vom Literarischen Zentrum und unterstützt von dem Niedersächsischen Kultusministerium, der Robert-Bosch-Stiftung, der Stiftung Niedersachsen, der VGH-Stiftung und der Klosterkammer, die sich alle für die Schreib- und Leseförderung von Jugendlichen einsetzen. Das Projekt findet auch in Stuttgart und Rostock statt.

Die Weltenschreiber schreiben im Stehen, im Sitzen und im Liegen. Sie schreiben nicht nur im Klassenraum, sondern auch in unserem Schullandheim am Hohen Hagen oder auf der Fahrt nach München an Mahn- und Erinnerungsorten an die NS-Verbrechen. Manchmal sammeln sie auch einfach Beobachtungen in Göttingens Innenstadt, halten ihre Beobachtungen in Bildern fest und sortieren ihre Gedanken anschließend beim Schreibworkshop im Literarischen Zentrum. Schreibanlässe gibt es unendlich viele.

Parallel zu dem Projekt werden Lehrerinnen und Lehrer in einer zweijährigen Fortbildung in das Literarische Schreiben eingeführt.

Mehr Informationen vom Literarischen Zentrum als Download.

Besonders schreibbegeisterte Schülerinnen und Schüler nehmen am Mentoring-Programm teil, bei dem sie von jungen Autor*innen Schreibanregungen erhalten.

 

Informationslinks zum Projekt Weltenschreiber
Verlauf des Projekts am OHG
Abschlusslesung

(rau.) Mit coronabedingter Verspätung konnten die Weltenschreiber des OHG bei ihrer Abschlusslesung nach zwei Jahren Projektarbeit Auszüge aus ihren Romanen vorlesen. Das Besondere: Die Lesung fand – natürlich unter Maßgabe der Hygiene- und Abstandsbestimmungen – im Alten Rathaus im Rahmen des diesjährigen Literaturherbstes statt.

Leon trug wohlbetont aus seinem Roman "Eine neue Welt" vor: Zwei Astronauten befinden sich im Jahr 3406 auf dem Planeten Orbit. Sie speisen köstliche Mahlzeiten, die man beim Vorlesen förmlich riechen und schmecken kann. Es gibt aber nicht nur Leichtverdauliches: Die Astronauten berichten den Außerirdischen auch von der Zeit des NS-Diktatur in Deutschland.

Anna-Lena las gemeinsam mit Marlene in wechselnden Rollen und mit Esprit aus ihrem Roman "Einsamkeit und kalter Cappuccino" vor. In der Partyszene geht es im Grunde genommen um Nähe und Distanz. Nachdem die beiden Hauptpersonen sich zunächst zwischen Annäherung und Ablehnung bewegen, kommen sie sich dann doch näher und ganz nah. 

Die Weltenschreiber haben zwei Jahre lang mit der Autorin Lena Gorelik und ihrer Deutschlehrerin erst kleinere Schreibübungen vollzogen, um dann im zweiten Jahr mit viel Mühe und Begeisterung eine längere Erzählung oder einen Roman zu verfassen, das Layout zu gestalten und schließlich ihr Werk binden zu lassen.

Auch Schüler*innen des Hainberg-Gymnasiums, der Geschwister-Scholl-Gesamtschule sowie der KGS Gieboldehausen saßen auf dem Podium im Alten Rathaus. Der Autor Markovic las aus Texten von Schüler*innen an der Georg- Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule.

Am Ende der Lesung durfte sich jeder Besucher ein Exemplar der zweiten Göttinger Weltschreiberpublikation mit nach Hause nehmen, um darin zu schmökern. Hier gibt es noch zahlreiche geschriebene Welten zu erobern, in denen man gut in einer Zeit, in der nun Lesungen zunächst nicht mehr möglich sei werden, Großartiges entdecken kann.

Fotos folgen

Bericht im GT vom 02.11.2020

Bericht in der HNA vom 02.11.2020